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DER ROMAN VON MELUSINA
EINLEITUNG
Auf Bitten des Herzogs von Berry schreibt Jean d‘Arras in den Jahren 1392/93 den Roman „Die Geschichte von Melusina“. Der Herzog von Berry war der Bruder des französischen Königs Karl V. und der Enkel von Johann von Luxemburg, auch Johann der Blinde genannt.
Das Manuskript von d‘Arras wird viel gelesen. 10 Jahre später, auf Bestellung von Guillaume de Parthenay, verfasst der Dichter Coudrette Melusinas Geschichte, mit einem Abschnitt über die Familie Parthenay, in Versform. 1452 wird der Buchdruck erfunden und Melusinas Geschichte gehört zu den ersten Büchern, die gedruckt und übersetzt werden; sie erscheint auf deutsch, spanisch, englisch, holländisch… Im Laufe der Zeit haben viele Schriftsteller Melusinas Geschichte neu wiedergegeben, so dass sie zu einem Spiegel der Gesellschaften wurde. Die Legende wurde zum Mythos.
Hier nun eine Zusammenfassung des Romans von Jean d’Arras.
Page du mois de Mars des "Très Riches heures du Duc de Berry "
Livre d'Heures du XV è siècle - ON voit Mélusine en dragon qui survol le château de Lusignan.
MELUSINAS KINDHEIT
1. Melusinas Eltern
Nach dem Tod seiner Ehefrau ist der schottische König Elinas sehr traurig. Da folgt er eines Tages im Wald einer süβen Melodie und findet schlieβlich am Meer eine wunderschöne Frau, Presine, die auf ihn zu warten scheint. Er verliebt sich sogleich in sie, und Presine heiratet ihn unter einer Bedingung: Auf keinen Fall darf Elinas sie bei der Geburt ihrer Kinder sehen!
Doch Mataquas, sein Sohn aus erster Ehe, ist eifersüchtig auf das neue Glück seines Vaters. Als Presine ein Kind erwartet, eilt er eines Tages zu Elinas hin und behauptet, das Kind sei schon geboren. Dabei kennt er sehr wohl das Versprechen des Vaters! Als dieser zu Presine ins Zimmer stürzt, erblickt er nicht seine geliebte Frau, sondern… einen abscheulichen Drachen!
Drei wunderhübsche kleine Mädchen kommen zur Welt, doch der Pakt ist gebrochen. Trotz ihrer groβen Liebe und Elinas‘ Tränen entschwindet der Drachen mit seinen Kindern an die Ufer des Sees Avalon, ans Ende der Welt.
2. Die Wut der Mutter
Als die Mädchen 16 sind, überredet Melusina ihre Schwestern, die unglückliche Mutter zu rächen und den Vater zu bestrafen. Sie sperren ihn in einen Berg, aus dem er sich nie mehr befreien kann.
Presine ist auβer sich vor Wut, als sie vom Schicksal ihres geliebten Mannes erfährt und sie verdammt ihre Töchter. Melusina wird am härtesten bestraft: ohne Seele muss sie umherirren bis zum Jüngsten Tag! Nur wenn sie einen Mann findet, der sie liebt und der ihr Geheimnis achtet, kann sie wieder Mensch sein. Und an jedem Samstag wird sie in ihrem Bade zum Drachen werden; niemand darf sie je so sehen…
MELUSINAS LEBEN 
1. Die Begegnung
Jean d’Arras beschreibt in seinem Roman, wie Melusinas Umherirren endet… wenn auch nur für eine kurze Zeit.
Eines Tages veranstaltet der Graf von Forez eine groβe Jagd in seinen Wäldern. Sein Neffe Raymund will ein Wildschwein erlegen und tötet dabei irrtümlicherweise seinen Onkel. Verzweifelt irrt Raymund daraufhin im Wald umher, er traut sich nicht mehr heim….
Da hört er plötzlich eine zarte Melodie und findet drei wunderschöne Frauen bei einer Quelle. Eine von ihnen spricht ihm Mut zu und zeigt ihm den Weg zurück ins Schloss, wo man Raymund nicht bestraft, sondern sogar tröstet. Als er wie abgemacht zur Quelle zurückkehrt, verliebt er sich in Melusina – denn sie ist es! – und bittet sie, seine Frau zu werden.
2. Das Abkommen
Die Hochzeit
Melusina willigt ein, doch unter einer Bedingung: Raymund darf sie niemals samstags in ihrem Bade sehen. Man feiert eine groβartige Hochzeit und alle bewundern die wundervolle Frau und den mutigen Ritter. Sie leben nun
glücklich und zufrieden, auch wenn Melusina manchmal sehr seltsam erscheint..
Raymund im Glück
Jede Nacht, wie von Geisterhand, lässt Melusina riesige Wälder abholzen und Schlösser und Kirchen erbauen…
Sie schenkt ihrem geliebten Mann 10 kräftige Söhne, die alle ein Zeichen ihrer dämonischen Mutter tragen. Raymund ist manchmal nicht wohl bei ihrem Anblick…
Urien hat Augen in verschiedenen Farben, Eudes hat ein groβes Ohr und ein kleines, Guion hat ein Auge höher als das andere, Antoine trägt auf seiner Wange eine Löwentatze, Renaud hat nur ein Auge, aus Geoffroys Mund ragt ein langer Zahn, Fromont hat einen behaarten Fleck auf der Nase und Horrible, der achte Sohn, ist der furchtbarste von allen; er hat drei Augen und ist sehr wild! Die beiden Jüngsten, Thierry und Raymonet, sind noch Babys und sehen ganz normal aus.
Hat Melusina endlich ihr Ziel erreicht? Darf sie nun Mensch sein?
3. Die Übertretung 
Erste Verwandlung
Doch Raymunds Bruder erträgt dieses perfekte Glück nicht. Jeden Samstag kommt er vorbei und fragt nach Melusina; er will ihrem Geheimnis auf die Spur kommen. Vielleicht betrügt sie ja seinen Bruder? Schlieβlich fängt auch Raymund zu zweifeln an; sein Vertrauen ist gebrochen. Eines Samstags bohrt er ein Loch in die Badezimmertür… und erblickt Melusina mit einem Fischschwanz an Stelle ihrer Beine! Oder ist es ein Schlangenleib? Vor Entsetzen fällt er in Ohnmacht. Melusina ist sogleich an seiner Seite, schön wie immer, und sorgt sich um ihn. Raymund tut, als ob er an einem bösen Fieber leiden würde. Doch sie weiβ, dass er weiβ…
Mélusine dans son bain !
Raymund beschuldigt Melusina
Und ihr Leben geht weiter seinen gewohnten Gang. Raymund ist sich gar nicht mehr sicher, ob er wirklich Melusina gesehen hat an jenem Samstag?
Die Söhne wachsen zu jungen Männern heran, auf die der Vater sehr stolz ist. Doch als Fromont sich entscheidet, Mönch zu werden, gefällt das seinem Bruder Geoffroy Groβzahn gar nicht. Geoffroy steckt das Kloster in Brand und alle Mönche, auch Fromont, sterben in den Flammen.
Raymund ist auβer sich vor Trauer und Wut. Er erinnert sich an jenen Samstag und wirft Melusina vor, sie, die Schlange, die Dämonin, sei verantwortlich für die Missetaten ihres Sohnes.
Das Abkommen ist gebrochen, ihre ewige Liebe zerschlagen... Raymund fleht um Vergebung, Melusina ist vom Kummer überwältigt. Doch ihre Verwandlung hat schon begonnen, zum Entsetzen aller.
Die zweite Verwandlung und der Schrei
Melusina verwandelt sich in einen furchtbaren Drachen und entschwindet mit einem durch Mark und Bein gehenden Schrei, „einem Schrei, so wundervoll und so voller Schmerz, dass alle vor Mitleid weinten“, so Jean d’Arras. Einem Schrei so mächtig wie ihr sehnlicher Wunsch nach Menschsein!
Melusina wurde nicht ganz und gar zum Ungeheuer, ein wenig bleibt sie auch Mutter. Jede Nacht kommt sie zurück, unsichtbar, um ihre beiden Kleinen zu stillen.
Sie muss wieder umherirren, ohne Liebe, ohne Seele; ihr Schmerz ist unermesslich.
Auch Raymund ist verzweifelt, er zieht sich zutiefst traurig ins Kloster von Montserrat zurück. Als er stirbt, erscheint Melusina ihren Söhnen, um ihnen Raymunds Tod anzukündigen. Es flieβen viele Tränen bei dieser Wiedervereinigung.
QUELLE
Deutsche Übersetzung: Isabelle Gerges - Nov 2013
FOTOS :
1- La page du mois de Mars "Les Très Riches Heures du Duc de Berry" XVè siècle - Un facsimilé se trouve à la BNL
2- le Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg, enluminure du XIVème siècle
Abbildungen:
1- Iva Mrazkova " Mélusine" Extrit du livre "Les mille et une vies de Mélusine"
2- Mélusine dans son bain Extrait du livre jeunesse "Méàlusine et ses métamorphoses" Corinne Kohl-Crouzet e& Maxime Blanco
3- La rencontre de Mélusine et Raymondin Extrait du livre jeunesse "Méàlusine et ses métamorphoses" Corinne Kohl-Crouzet e& Maxime Blanco
Tags : Mélusine - Melusina

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